Dir gewidmet

Ich wollt, ich könnte in dich gleiten
mich trotz meinen Verstanden
ohne Schranken – sinnlich zeigen
und trotz dem Spießrutenlauf
über windige Planken
empfindlich bleiben
Ich wollte dir blindlings schreiben
wie wir es empfanden
das unter den Ampeln – im Blinklicht schreiten
und wünscht ich nähme es in Kauf
dein kindlich Wandeln
deine unverbindlichen Seiten
Ich wollt im Winde Schimmel reiten
mit dir Verwandten
in längst verkannten – Himmeln weilen
von dort aus dann dem Weltenlauf
mit zynischem Danken
den Hintern zeigen
Eines lauen Abends als ich unbedacht
der angehenden Nacht Stille genoß
und den kommenden Sommer still feierte
nahm Ich wahr die Kraft die wacht
über dem mich Umgebenden und schloß

sie mir ins Herz, sodass sie mich erfüllte.

Auf das Ich spüre, sie wohnt mir Inne
und Ich mich relativieren kann.
Bin weder gut noch schlecht sondern
die Schöpfung an sich (in jedem Sinne)
vom Scheitel zur Sohle übers Kinne.
Verblassende, wie du dich ein letztes Mal
zum Tanze kleidest, als wäre ein letzter Strahl
Jugendlichkeit in deine Adern gefahren

um in letzter Stund nicht aufs Ende zu warten.

Wie bereits die Frische des Neubeginns
dich wie ein Zauber in Gewahrsein nimmt
und der letzte Ton den du singst
als Erster eines neuen Liedes erklingt.

Zurückerinnern

Aus Scherben werden Tassen
Splitter finden zurück zum Gesplitterten
Sich tapfer ein Herz fassen
Ruhe bringen dem Erschütterten

Alte Wunden heilen lassen
Sich erlauben, Steine die auf Schultern lasten
los zulassen, abzulegen
unbeschwert weiterbewegen
und darauf achten, sich Selbst nicht zu beschweren

Waldboden

Nichts stirbt ohne daraufhin zu werden
Deshalb lass es los, lass es sterben.

Lass sterben, was dich dran hindert
eine neue Form anzunehmen
Lass gehen was dich dran hindert
dich fort zu bewegen.

Du kannst nur neu sein
Wenn du das Alte stehen lässt.
Glaub mir, du wirst Reue zeigen
Wenn du all die Chancen gehen lässt.

Bleibe. Veränderlich.

Nenn mich wie du willst,
Ich benenne mich nicht.
Bleibe veränderlich.
 
Kenne keine Festig-, keine Sicherheit
Kenne Wandlung, und
habe darein Zuversicht.
 
Kann mich entwickeln, kann wirken
weil ich mich nicht festsetze.
Kein Bild meiner Selbst in Stein meißle,
und dann daran hänge.
 
Weil Ich jede neue Form begrüße,
wie mein eigenes Kind
Das einzige was stetig ist,
ist mein Bestreben gen Licht.
und wie sich dieses darstellt,
das werte ich nicht.
 
Bleibe veränderlich.
Bin immer anders. Bin immer Ich.

Worte

rabenschwarze Nacht, sternenklarer Himmel
ziegelrotes Dach, zeitgereifter Schimmel
handgeschriebener Text, gefühlvoller Vortrag
verstandsbefreiter Sex, interessenfreier Vorschlag
frühlingsfrisches Grün, wahrheitstragende Aussage
farbenstarkes Blühen, heilsame Auflage
bedingungslose Liebe, schamerfülltes Auftreten
zielsichere Hiebe, hoffnungsvolles Beten
felsenfeste Meinung, winddurchfluteter Flur
energiezeugende Reibung, witterrungsverwischte Spur
ausdrucksstarke Musik, liebevolle Berührung
tatkräftiger Trieb, folgetragende Verführung

Es gut sein lassen

Lass einmal von den Gedanken ab
und werde leer.
IMG_2278.JPGIm Geiste unterbricht der Krach,

die Stille kehrt ein, und du spürst:
manchmal ist weniger mehr.

Somit schaffst du dem Gefühl erst einen Raum
und bist nun im Jetzt,
nicht mehr im fernen Traum.

Lebst nicht in Reue oder Sorgen,
sondern bist angekommen.

Bist sonst von der Vergangenheit geflohen
der Zukunft stetig nachgehetzt.
Warst Verfolgter und Verfolger
und beendest nun, aus Liebe zu dir,
diese Eigenfolter.

Dieses Erschaffen von unnötigem Leid.
Das Erschaffen von Unruhe im Geist.

Setz dich in den Garten, werde Still,
lass dich drauf ein, lass es gut sein.

Mein allabendlich selbstauferlegte Pflicht
die mich zum Sklaven macht
und mich unaufhörlich treibt und drängt
und peitscht und aufs Blatt
aus dem Inneren zu projezieren nötigt
und rituell besinnliche Minuten
einbringt in den schnöden Tag
der grauen Stadt die mich umgibt
und so grell, so laut, so immer schneller werdend
auf meine Sinne einhämmert
als würde ein wütender Jemand meine Zimmertüre einbrechen wollen
//als wäre er erbost darüber, dass ich
dieszeitlich nicht anzutreffen bin.
Und jene die es zeitweise
losgelassen zu werden herausfordert
Jene die man – seiner Gesundheit Willen –
zeitweise aus dem Bewusstsein
herausstreichen sollte um nicht allzuviel ihrer giftigen Farben
auf seiner naturgegeben
schön unbefleckten Weste abzufärben
Jene Welt die jenen Woyzeck formte
und auch wenn Einseitigkeit
die Wahrnehmung ebendieser beherrscht so ist und bleibt
es eine halbe Wahrheit und zwar keine Gefährliche
vorrausgesetzt, dass der Betrachter die
genau diametral entgegengesetzte Wahrheit
aus dem Auge nicht verliert.

Verwegen / die Schlüssigkeit / nicht klar erkennbar
beim Streben nur / ist das Scheitern denkbar / lenkbar /
glaubt der Mensch sein Leben / doch geht solang er jenes glaubt /
auf Holzwegen / dem sichren Tod entgegen /
analysiert, studiert, belesen / und doch des letzten Geheimnis / erlegen

So liegt er da
in Siegerpose
mit ausgeprägter Profilneurose
und ja, die letzte Liederstrophe
singt nur der Wind, der vielfach ohne
Anklang bleibt
und sich nicht greifbar
aber handzahm zeigt

am Rand erscheint
was in der Mitte steht
und langsam schleicht
was schnellen Trittes geht
was nun erbittend fleht
wurde einst schon erhört
denn wiederholt sich stets
das was uns beißt, das was uns stört

Er wachte aus einem Traum auf. Alles um Ihn herum fühlte sich noch verzaubert an. So wie er es gerade erlebte. Rauschhaft, organisch, lebendig, als würde jede Holzleiste seines Regals ihr Eigenleben führen und sich verändern und sich formen. Er selbst war nur ein weiterer pulsierender Körper in diesem großen Gemenge von treibenden Dingen. Alle fluteten sie, alle sprachen sie und windeten sich. Trieben, aber doch nur in ihrem Rahmen, oder höchstens ein wenig darüber hinaus, doch es schien, als wüssten sie um ihren Platz und wo sie zu bleiben hätten..

Er rieb sich die Augen, streckte die Gliedmaßen von sich und lies einen befreienden Ruf von sich. Jeder Übergang in die reale Welt war für ihn ein Prozeß, der mal kürzer, meist länger andauerte. In Folge dieses Prozeßes verloren die Dinge um ihn herum allmählich ihre Magie, ihre wellige Lebendigkeit.

Es dürstete ihn. Nackt stand er auf, aus seinem Bett welches auf dem Boden lag, und befahl seinem Körper sich in Richtung Waschbecken zu bewegen. Sein Kopf war schwer, diese Schwere zu bekämpfen suchte er darin sich mit Wasser zu benetzen. Von Innen und Außen. Er trank, spülte sich sein Gesicht. Des öfteren dachte er sich schon, er wäre doch lieber als Fisch aufgewacht, und könnte die blaugrünen Weiten des Ozeans durchströmen.

In der Küche angekommen befüllte er wie automatisiert die Kaffeemaschine und schaltete sie an. Die Zwischenzeit nutzte er sich eine Zigarette zu drehen, aus den letzten bröseligen Resten die er noch in seinem Tabakbeutel zu finden vermochte.

Auch wenn soweit alles gut war – es gäbe keinen konkreten Grund etwas zu beanstanden – fühlte er sich morgens als sei das Menschsein eine Strafe. Als hätte diese unbestimmte Schaffenskraft ihn auf die Erde geschickt, nur um ihm eins auszuwischen.
„Verdammter Gott, wäre er nicht schon tot, würde ich definitiv nachhelfen.“
Zynisch spricht er diesen Satz vor sich hin.

Draußen regt Geschäftigkeit
hier drinnen legt sich stumm der Staub
mit einer Selbstgerechtigkeit
auf das regungslose Haupt

Jenseits dieser Fensterbank
ist Treiben, Klang und Sonnenschein
drinnen sitzt er, denkt er lang
als würde er besonnen sein

doch nein, er ist nur teilnahmslos
an diesem bunten Weltgeschehen
und fragte sich nur einmal bloß
„was hält mich noch zu gehen?“

Fließen der Identität III

Was bleibt von mir, wenn ich alles verneine
Was an mich ward herangetragen
kann diesbezüglich nicht Andere fragen
was entsteht in mir, wenn ich alles vereine
mein Sein dieses, und von andren Tagen
dies zu greifen will ich nicht wagen
denn sonst greif ich in einen Raum hinein
und bekomme wieder nur zu fassen
etwas was ich glaube zu sein
und was seiner Größe nach scheint
in meine Faust zu passen

Die Leute sind belesen
im Raum ertönt Chopin
sie fühlen sich vermittelt
von Nietzsche, Jung, Rodin
und reden hoch entwickelt
von Gott und dem Leben

Im Glase alter Wein
die Luft ist Pfeifenrauch
sie reden gern besonnen
können es sich leisten, auch
niemand ist beklommen
niemand brauch zu schreien

Sie fühlen sich im Bilde
Das sind sie in der Tat
Der Regisseur, fast milde
schnipst mit dem Finger, cut!

 

Regentag

Die Regentropfen wie zerstäubt,
schwebend seicht in kühler Luft.
Das Laub in Haufen aufgehäuft,
verteilt im Raum ein leisen Duft.

Und hie und da sieht man, verkrampft,
verzerrte Menschgesichter,
doch meines ist und bleibt entspannt
und bald schon wird der Himmel lichter..