Verwegen / die Schlüssigkeit / nicht klar erkennbar
beim Streben nur / ist das Scheitern denkbar / lenkbar /
glaubt der Mensch sein Leben / doch geht solang er jenes glaubt /
auf Holzwegen / dem sichren Tod entgegen /
analysiert, studiert, belesen / und doch des letzten Geheimnis / erlegen

So liegt er da
in Siegerpose
mit ausgeprägter Profilneurose
und ja, die letzte Liederstrophe
singt nur der Wind, der vielfach ohne
Anklang bleibt
und sich nicht greifbar
aber handzahm zeigt

am Rand erscheint
was in der Mitte steht
und langsam schleicht
was schnellen Trittes geht
was nun erbittend fleht
wurde einst schon erhört
denn wiederholt sich stets
das was uns beißt, das was uns stört

Er wachte aus einem Traum auf. Alles um Ihn herum fühlte sich noch verzaubert an. So wie er es gerade erlebte. Rauschhaft, organisch, lebendig, als würde jede Holzleiste seines Regals ihr Eigenleben führen und sich verändern und sich formen. Er selbst war nur ein weiterer pulsierender Körper in diesem großen Gemenge von treibenden Dingen. Alle fluteten sie, alle sprachen sie und windeten sich. Trieben, aber doch nur in ihrem Rahmen, oder höchstens ein wenig darüber hinaus, doch es schien, als wüssten sie um ihren Platz und wo sie zu bleiben hätten..

Er rieb sich die Augen, streckte die Gliedmaßen von sich und lies einen befreienden Ruf von sich. Jeder Übergang in die reale Welt war für ihn ein Prozeß, der mal kürzer, meist länger andauerte. In Folge dieses Prozeßes verloren die Dinge um ihn herum allmählich ihre Magie, ihre wellige Lebendigkeit.

Es dürstete ihn. Nackt stand er auf, aus seinem Bett welches auf dem Boden lag, und befahl seinem Körper sich in Richtung Waschbecken zu bewegen. Sein Kopf war schwer, diese Schwere zu bekämpfen suchte er darin sich mit Wasser zu benetzen. Von Innen und Außen. Er trank, spülte sich sein Gesicht. Des öfteren dachte er sich schon, er wäre doch lieber als Fisch aufgewacht, und könnte die blaugrünen Weiten des Ozeans durchströmen.

In der Küche angekommen befüllte er wie automatisiert die Kaffeemaschine und schaltete sie an. Die Zwischenzeit nutzte er sich eine Zigarette zu drehen, aus den letzten bröseligen Resten die er noch in seinem Tabakbeutel zu finden vermochte.

Auch wenn soweit alles gut war – es gäbe keinen konkreten Grund etwas zu beanstanden – fühlte er sich morgens als sei das Menschsein eine Strafe. Als hätte diese unbestimmte Schaffenskraft ihn auf die Erde geschickt, nur um ihm eins auszuwischen.
„Verdammter Gott, wäre er nicht schon tot, würde ich definitiv nachhelfen.“
Zynisch spricht er diesen Satz vor sich hin.

Draußen regt Geschäftigkeit
hier drinnen legt sich stumm der Staub
mit einer Selbstgerechtigkeit
auf das regungslose Haupt

Jenseits dieser Fensterbank
ist Treiben, Klang und Sonnenschein
drinnen sitzt er, denkt er lang
als würde er besonnen sein

doch nein, er ist nur teilnahmslos
an diesem bunten Weltgeschehen
und fragte sich nur einmal bloß
„was hält mich noch zu gehen?“

Fließen der Identität III

Was bleibt von mir, wenn ich alles verneine
Was an mich ward herangetragen
kann diesbezüglich nicht Andere fragen
was entsteht in mir, wenn ich alles vereine
mein Sein dieses, und von andren Tagen
dies zu greifen will ich nicht wagen
denn sonst greif ich in einen Raum hinein
und bekomme wieder nur zu fassen
etwas was ich glaube zu sein
und was seiner Größe nach scheint
in meine Faust zu passen

Die Leute sind belesen
im Raum ertönt Chopin
sie fühlen sich vermittelt
von Nietzsche, Jung, Rodin
und reden hoch entwickelt
von Gott und dem Leben

Im Glase alter Wein
die Luft ist Pfeifenrauch
sie reden gern besonnen
können es sich leisten, auch
niemand ist beklommen
niemand brauch zu schreien

Sie fühlen sich im Bilde
Das sind sie in der Tat
Der Regisseur, fast milde
schnipst mit dem Finger, cut!

 

Regentag

Die Regentropfen wie zerstäubt,
schwebend seicht in kühler Luft.
Das Laub in Haufen aufgehäuft,
verteilt im Raum ein leisen Duft.

Und hie und da sieht man, verkrampft,
verzerrte Menschgesichter,
doch meines ist und bleibt entspannt
und bald schon wird der Himmel lichter..