Rückkehr

Alles fällt hin zum Boden
Rosen die mit letzter Kraft
Ihre Hagebutten halten, loben
der Sonne Strahlen, des Bodens Saft
 –
Gefrorene Spinnennetze glitzern fein
Eiszapfen die frierende Tränen weinen.
Beide wissen sie, der Winter wird vorrübergehen
Alles wird aus seiner Starre, zurück ins Leben treten.
 –
Alles ruht und sammelt Energie
um dann in alter Frische
sich wie immer und doch wie nie
zusammenfinden am reich gedeckten Tische

So wie das schwindende Grün
ein beinhaltetes Rotbraun hinterlässt,
steckt schon die Möglichkeit
einmal Nahrung für den Vogel –
in Form eines Käfers zu werden, im Geäst.

So wie der riesige Fels einmal
zu unzählbaren Sandkörnern geworden ist,
so bildet die uralte Eiche einmal die Erde,
durch welche sich wie ein Regenwurm,
die Wurzel eines jungen Sprösslings frisst.

Sowie ein schreibender, junger Mann
das Manifest eines Schriftstellers aus längst vergangener Zeit
liest, nachempfindet und schließlich selber daran reift.

Liebeserklärung

Ach Ihr lieben Bücher
Wer wäre Ich ohne euch geworden
Ihr verstorbenen Schriftsteller
mit alten Worten
die zeitlos sind
gültig, heute wie morgen

In die Ewigkeit seit Ihr eingegangen
eure Sehnsucht hat dies ermöglicht
ohne Euch blieb ich wohlmöglich töricht
ach wie gerne würde Ich
auch diese zeitlose Gültigkeit erlangen

Und jungen Knaben wie mir
nach meiner Zeit
die gleiche Freude schenken
welche Ihr mir bereitet

Muss man nicht verstehen

Zurückschauen, Voranschreiten
Lernen aus dem was schimmert
hinter den Zeiten
vom zeitlosen, sich immer wiederholenden
über manches lässt sich nicht streiten
manchem nicht ausweichen
Willen stärken, Herzen aufweichen
Wenn Winde peitschen
will ich Masochist bleiben
das Leben spüren, leiden
und daraus Freude schaffen
das Leben ernst nehmen
und sich zum Affen machen
Sachen packen, aufbrechen um
anzukommen, reinhechten um
anzudocken, anzuklopfen
unangekündigt angenommen,
im trauten Heim, Netze gesponnen
im Kreis geschwommen
so geplant, anders gekommen
gerade gewonnen, bald zerronnen
Blühen und Früchte tragen
Rühmen und Wertung erfragen
in Schüben ausdrücken
allmählich wachsen, überragen
Menschsein hinter sich lassen
das Blut der Erde trinken
aus Teetassen, die Welt
berühren, nicht versuchen
sie zu fassen, leere Herzen
volle Kassen, schwere Schmerzen
tolle Tasten, menschengemachter
Kasten, sich zum Freund machen
mit Ihm Zeit verbringen
alleine lachen, ohne Resonanz
Musik ohne Tanz, Worte ohne Ton
individualistischer Clon
verschobenes, zurechtrücken
verlorenes, wiederfinden
gemeinsam mit den Vögeln singen
und mit den Tropfen fallen
mit den Wolken steigen
um erneut aufzuprallen.
Muster im Chaos erkennen
Unnennbares versuchen
beim Namen zu nennen
Sehne spannen, und Pfeile schießen
über den Tellerrand zielen
Begrenzungen auflösen
Mauern umstoßen
Nektar einflößen, im Kleinen pulsieren
was ändern im Großen
Sehnsucht folgen, Sprünge wagen
nicht mehr fragen sondern ahnen
wie einem Geruch folgen,
einem fernen Rauschen
welches uns lockt,
welches nach uns fragt,
wann wir denn bereit wären,
wann kommt der Tag.
Auf das es Morgen gelingt,
den Moment ungenutzt lassen.
anstatt sich Leichtigkeit erlauben
Steine tragen die auf Schultern lasten,
aufwachen und ans Steuer fassen
ausklinken und erneut einrasten.
Flüssen danken, aus dem Erdreich
empor wachsen, sich blind vortasten
und nach und nach dem Licht
verträglicher werden, das Bild sehen
in Scherben, Wahrheit sehen in Scherzen
sterben und sich neu gebären.

Bewegung

Tänzelndes Eichhörnchen grazil
springend von einem zum Andren Ast
beweist uns, mit Bewegung, wie agil
du doch bist und das du Freude dran hast.

Trübsal-blasender Büroarbeiter
sitzend auf dem immergleichen Platz
beweist uns, bewegungslos, dass heiter
du lange nicht warst, in einem Satz.

Hüften-schwingende junge Frau
tanzend quer durch den Raum
beweist uns, eindrucksvoll, sich zur Schau
stellen, kann man sich ohne Eitelkeit trauen.

Generationen-überdauernder Baum
knarrend im Gefecht des Sturms
singst uns in deinen letzten Atemzügen,
das Lied von Wiedergeburt.

Bleibe. Veränderlich.

Nenn mich wie du willst,
Ich benenne mich nicht.
Bleibe veränderlich.
 
Kenne keine Festig-, keine Sicherheit
Kenne Wandlung, und
habe darein Zuversicht.
 
Kann mich entwickeln, kann wirken
weil ich mich nicht festsetze.
Kein Bild meiner Selbst in Stein meißle,
und dann daran hänge.
 
Weil Ich jede neue Form begrüße,
wie mein eigenes Kind
Das einzige was stetig ist,
ist mein Bestreben gen Licht.
und wie sich dieses darstellt,
das werte ich nicht.
 
Bleibe veränderlich.
Bin immer anders. Bin immer Ich.

Gegenwart

Jetzt kann alles anders sein,
jetzt ist alles neu. Einen Moment lang
kann es ganz anders scheinen,
einen Moment bist du mit der Entscheidung dran.

Doch Gesetze welche kein Mensch geschaffen,
welche wiederkehrend ewig sind
halten die augenscheinliche
Möglichkeit alles zu machen
in Schach, ein Kind bleibt ein Kind.

Die hiesige Menschheit unter dem
illusorischen Gedanken sich zu entwickeln,
ist nicht weiter voran, bleibt stehen,
ist nur anders, kämpft nur mit andren Mitteln.

Es gibt kein Vorankommen
im großen Ganzen.
Das Allumfassende, der Chor der Sonnen,
hat lediglich die Fähigkeit, sich zu verwandeln.